Gesetzliche Erbquoten

Stirbt ein Mensch, geht mit dem Tod das Vermögen als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (auf nämlich die Erben) über.

 

Hat der Verstorbene kein Testament hinterlassen, erben die Hinterbliebenen nach den gesetzlich festgelegten Erbquoten. Zunächst muss allerdings natürlich ermittelt werden, wer überhaupt Erbe geworden ist. Das richtet sich, wenn kein Testament errichtet wurde, allein nach der verwandtschaftlichen Nähe zum Verstorbenen. Das Gesetz spricht insoweit von Erben erster Ordnung, Erben zweiter Ordnung, Erben dritter Ordnung usw. Gesetzliche Erben der ersten Ordnung sind dabei die Abkömmlinge des Erblassers, gesetzliche Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern des Erblassers  und deren Abkömmlinge, gesetzliche Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

 

Um die Erben genau zu ermitteln, empfiehlt es sich, hierzu – jedenfalls – in komplizierteren Fällen, die verwandtschaftlichen Verhältnisse aufzuzeichnen.

 

Selbstverständlich hat auch der hier bisher noch nicht erwähnte Ehegatte ein gesetzliches Erbrecht, das grundsätzlich ¼ beträgt, wobei im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft zusätzlich ein weiteres ¼ als gewissermaßen pauschaler Zugewinnausgleich hinzuzurechnen ist. Hat man dann erst einmal ermittelt, wer tatsächlich Erbe geworden ist, stellt sich dann noch die Frage, wie das Erbe zu verteilen ist, wenn mehrere Personen nebeneinander Erben geworden sind, wenn es also mehrere sogenannte Miterben gibt.

 

Zu beachten ist, dass Erben der höheren Ordnung die Erben der niedrigeren Ordnung ausschließen. Gibt es also Erben der ersten Ordnung, erben diese allein, erben der zweiten Ordnung erben hierneben nicht. Hierzu fünf Beispiele:

 

1.

Angenommen der Erblasser hinterlässt folgende Verwandte: seine Ehefrau, zwei Kinder, zwei Kinder des einen Kindes (Enkelkinder), beide Eltern und ein Geschwisterteil.

 

In diesem ersten Beispielsfall sind Erben die Ehefrau und die beiden Kinder. Eltern und Geschwister, sowie die Enkelkinder erben nichts.

 

2.

Angenommen im ersten Beispielsfall wäre die Ehefrau vorverstorben:

 

Dann erben die beiden Kinder allein und zwar je zu ½. Sie sind die alleinigen Erben der ersten Ordnung und schließen alle anderen Verwandten als Erben aus.

 

3.

Angenommen in dem Beispielsfall zu 1. ist die Ehefrau und eins der Kinder (das seinerseits die Kinder also aus Sicht des Erblassers die Enkelkinder hat) vorverstorben sind, dann erbt das eine überlebende Kind und die beiden Enkelkinder. Da das Bundesdeutsche Erbrecht nach sogenannten Stämmen aufgebaut ist, kriegt hier der eine Stamm (das Kind) genauso viel wie der andere Stamm (die beiden Enkelkinder). Die Enkelkinder treten also praktisch in den Erbanteil ihres verstorbenen Elternteils (das ja aus Sicht des Erblassers Kind war) ein. Demzufolge belaufen sich die Erbquoten auf ½ für das Kind und jeweils ¼ für die beiden Enkelkinder.

 

4.

Hinterlässt der Erblasser nur Eltern und ein Geschwisterteil: Dann erben die Eltern alleine und zwar jeweils zu ½.

 

5.

Wäre in dem Beispiel zu 4. ein Elternteil vorverstorben: Dann tritt an die Stelle des verstorbenen Elternteils wiederum dessen Abkömmlinge, also das Geschwisterteil des Erblassers. In diesem Beispielsfall würden also der überlebende Elternteil ½ erben und das Geschwisterteil ebenfalls ½.

 

Die denkbaren unterschiedlichen Erbquoten sind so vielfältig, dass sich hier eine weitere Darstellung verbietet, weil diese sonst völlig ausufern würde.

 

Hoch komplex wird das Ganze, wenn ganz viele Erben nebeneinander eintreten, was ohne weiteres denkbar ist.

 

Nehmen wir einmal an, dass eine Person verstirbt, die keine Kinder und keinen Ehegatten hatte, ein überlebendes Elternteil, acht Geschwister, die insgesamt 20 Enkelkinder hatten, die wiederrum selber 10 Kinder (also Urenkel) haben, wobei sowohl Geschwister als auch ihre Kinder teilweise vorverstorben sind.

 

Dann hat man Erben über mehrere Ebenen mit unterschiedlichen Erbquoten und sehr schnell 20 oder gar mehr Erben.

 

Manchmal ist es auch so, dass zumindest auf den ersten Blick gar kein Verwandter mehr vorhanden ist. Wenn dann ein nennenswerter Nachlass vorhanden ist, wird möglicherweise ein Ermittler eingeschaltet, der sich auf die Suche nach Verwandten macht, jedenfalls dann, wenn es irgendwelche Ansatzpunkte dafür gibt, dass solche Verwandtschaft tatsächlich existiert. Das kann teilweise sehr zeit- und kostenintensiv sein. Gibt es tatsächlich keine gesetzlichen Erben, erbt letztendlich der Staat.

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