Reisevertragsrecht

Ein Rechtsgebiet, das naturgemäß viele Mandanten beschäftigt, ist das Reisevertragsrecht. Nahezu jeder hat schon einmal eine Pauschalreise durchgeführt und bei vielen ist auch nicht die Reise so verlaufen, wie sie zuvor im Hochglanzprospekt beworben wurde.

 

Die Fragestellungen sind ganz unterschiedliche:

 

Oft ist es zu mehr oder weniger schwerwiegenden Mängeln der Reise gekommen, sodass Reisepreisminderungsansprüche durchzusetzen sind.

 

Unter bestimmten Voraussetzungen, wenn schwere Mängel an der Reise vorgelegen haben, kann auch Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude beansprucht werden.

 

Häufig sind inzwischen auch die Fälle, in denen es zu Flugzeitverzögerungen gekommen ist. Sofern es sich entweder um eine Fluggesellschaft innerhalb der EU handelt oder der Flug aus der EU gestartet ist, können hier je nach Entfernung des Reiseziels und Verzögerung Ansprüche in unterschiedlicher Höhe nach einer recht neu ergangenen EU-Richtlinie gestellt werden.

 

Fragestellungen ergeben sich auch in den Fällen der höheren Gewalt. Beispielhaft zu nennen sind hier in der Vergangenheit die Fälle der Flugausfälle bedingt durch den Vulkanausbruch in Island. Hier stellt sich die Frage, welche wechselseitigen Ansprüche zwischen Reisenden und Reiseveranstalter bestehen.

 

Zu klären ist gelegentlich auch die Frage, wann eine Reise wegen Mängeln abgebrochen werden darf bzw. wann möglicherweise eine Reise gar nicht erst angetreten werden muss, weil sich bereits im vornhinein herausstellt, dass etwas völlig anderes verkauft wurde, als beworben wurde.

 

Gerade hinsichtlich von Reisepreisminderungsansprüchen ist die Spanne dessen, was Gerichte als angemessen ansehen, außerordentlich hoch. Aus unserer eigenen Praxis haben wir etwa einen Fall, der zunächst in I. Instanz vor dem Amtsgericht Hannover verhandelt wurde, in II. Instanz dann vor dem Landgericht Hannover.

 

Unserer Auffassung nach waren hier schwerwiegende Mängel an der Reise zu verzeichnen, wir haben daher praktisch fast den gesamten Reisepreis für den Mandanten zurückbeansprucht und hierneben Schadensersatzansprüche wegen entgangener Urlaubsfreude.

 

Das Amtsgericht Hannover hatte in I. Instanz nur einen ganz geringen Teil der eingeklagten Forderungen zuerkannt und war von einer Reisepreisminderung von lediglich 20% ausgegangen, während das Landgericht hinsichtlich desselben Sachverhaltes in II. Instanz davon ausging, dass tatsächlich ein Reisepreisminderungsanspruch von 80% gegeben war, was letztendlich auch die Ansprüche wegen entgangener Urlaubsfreude weitgehend durchgingen ließ.

 

Dieses Beispiel zeigt, dass die Auffassungen wirklich außerordentlich weit auseinandergehen und dass obwohl in aller Regel bei den zuständigen Gerichten eine Spezialisierung vorgenommen wird. Das hängt damit zusammen, dass die Reiseprozesse in aller Regel am Sitz des Reiseveranstalters geführt werden. Da es so furchtbar viele Reiseveranstalter gar nicht gibt, konzentrieren sich diese Fälle daher auf recht wenige Gerichte, zu nennen sind insbesondere Hannover, Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main und München.

 

Die Entfernung zu den Gerichtsorten setzt hier in aller Regel auch voraus, dass für die Wahrnehmung des Gerichtstermins unterbevollmächtigte Kollegen eingeschaltet werden, zumal Reisepreisminderungsansprüche oftmals eben „nur“ wenige Hundert Euro betragen, sodass eine Wahrnehmung des Termins durch den Anwalt, der möglicherweise Hunderte Kilometer entfernt seine Kanzlei hat, oft nicht in Betracht kommt aus Kosten- und Zeitgründen.

 

Das liegt auch daran, dass die Rechtsschutzversicherungen hier nicht immer die vollen Kosten übernehmen.

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