Erbeinsetzung durch Testament

Die gesetzlichen Erbquoten kann man dann umgehen, wenn man ein Testament errichtet, weil dann allein maßgebend ist, was der Erblasser in diesem Testament bestimmt hat.

 

Dabei raten wir zunächst eingehend ein solches Testament nur unter anwaltlicher oder notarieller Beratung zu errichten. Denn oft werden Testamente selbst gemacht und dabei so komplizierte und sich teilweise widersprechende Regelungen gewünscht, dass hinterher gar nicht mehr so richtig deutlich wird, was der Erblasser eigentlich wollte. Das hängt auch damit zusammen, dass es im Erbrecht natürlich Fachbegriffe gibt, die aber dem Laien so in aller Regel nicht bekannt sind. So ist es etwa ein Unterschied ob ich etwas vererbe oder etwas vermache. Die allermeisten Laien werden indes davon ausgehen, dass dasselbe gemeint ist. Das eine ist aber eine Erbeinsetzung, das andere ein Vermächtnis.

 

Natürlich muss man auch bei Testamenten, die nicht eindeutig sind, versuchen herauszubekommen, was der Erblasser tatsächlich gewollt hat. Das ist dabei auch das oberste und im Grunde einzige Auslegungsprinzip: Was wollte der Erblasser wirklich?

 

Das Problem ist aber: Wenn der Erbfall eingetreten ist, kann man denjenigen, der das Testament errichtet hat, nicht mehr fragen, denn der ist ja verstorben.

 

Deswegen ist es durchaus möglich, dass eine solche Auslegung eines Testamentes zu einem Ergebnis führt, das eben gerade nicht dem entspricht, was der Erblasser tatsächlich wollte. Deswegen lassen Sie sich bitte bei der Errichtung eines Testamentes durch Fachleute beraten.

 

Das bedeutet nicht, dass in jedem Fall ein notarielles Testament erforderlich ist. Neben einem notariellen Testament (das also von einem Notar aufgenommen wird) ist es nämlich ohne weiteres möglich, dass Sie auch ein privatschriftliches, sogenanntes eigenhändiges Testament errichten.

 

Dabei müssen Sie darauf achten, dass ein solches eigenhändiges Testament nur dann wirksam ist, wenn Sie selbst den gesamten Testamentstext eigenhändig handschriftlich schreiben und das Testament anschließend unterschreiben. Anderenfalls liegt kein wirksames Testament vor. Insbesondere also wenn Sie meinen, wegen Ihrer unleserlichen Handschrift müsste das Ganze maschinengeschrieben sein und Sie würden das dann unterschreiben, haben Sie kein wirksames Testament errichtet. Sollten Sie tatsächlich eine „Arzthandschrift“, also eine sehr unleserliche haben, kann es sich in Extremfällen empfehlen, tatsächlich eine „Übersetzung“ dem Testament beizufügen, also den Testamentstext nochmal in Klarschrift (möglicherweise dann auch maschinengeschrieben).

 

Ein eigenhändiges Testament kann auch von zwei Personen als gemeinschaftliches Testament errichtet werden, Voraussetzung ist aber, dass die Personen miteinander verheiratet sind. Es liegt dann ein sogenanntes gemeinschaftliches Testament vor. Oft wird das ein sogenanntes Berliner Testament sein, das zur Regelung hat, dass sich die Ehegatten zunächst selbst allein beerben und erst nach dem letztversterbenden Ehegatten der oder die Kinder erben.

 

Dabei ist allerdings zu beachten, dass nach dem Erstversterbenden das Kind oder die Kinder regelmäßig Pflichtteilsansprüche haben. Man kann dabei in das Testament Klauseln aufnehmen, die es für das Kind wirtschaftlich uninteressant machen, nach dem Erstversterbenden bereits den Pflichtteilsanspruch geltend zu machen (sogenannte Pflichtteilsklausel). Hier gibt es unterschiedliche Ausgestaltungen, die auch unterschiedlich starke Wirkungen haben. Schon aus diesem Grund sollte eine anwaltliche Beratung erfolgen.

 

Auch beim gemeinschaftlichen Ehegattentestament ist es erforderlich, dass der gesamte Testamentstext eigenhändig geschrieben wird, wobei es natürlich ausreicht, wenn das einer der beiden Ehegatten macht (sinnvollerweise der mit der besseren Handschrift) und anschließend beide Ehegatten das Testament unterschreiben. Richtigerweise sollten Sie jedem Testamentstext auch immer beifügen, wann und wo es geschrieben wurde. Beachten Sie bitte auch, dass der Testamentstext tatsächlich unterschrieben wird, dass Sie also die „Unterschrift“ nicht über den Testamentstext setzen.

 

Ein einmal errichtetes Testament entfaltet so ohne weiteres keine Bindungswirkung. Überlegt es sich der Erblasser also anders, kann er also einfach ein neues Testament errichten, jedenfalls dann, wenn das neue Testament vollständige neue Regelungen trifft, ersetzt es automatisch das ältere Testament.

 

Bei Ehegatten tritt indes am gemeinschaftlichen Testament eine Bindungswirkung nach dem erstversterbenden Ehegatten ein. Das ist deswegen der Fall, weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass es Regelungen im Testament geben kann (und in der Regel geben wird) bei denen der eine Ehegatte nicht so letztwillig verfügt hätte, wenn er nicht gewusst hätte, dass der andere Ehegatte in der ihm bekannten Art und Weise verfügt. Diese heißen wechselbezügliche Verfügungen. Insoweit tritt also eine Bindungswirkung ein.

 

Ein erheblicher Bedarf, tatsächlich ein Testament zu errichten, besteht immer dann, wenn es kein gesetzliches Erbrecht gibt, also vor allen Dingen in allen Fällen der nichtehelichen Lebensgemeinschaft. Hier kann es sonst passieren, dass man praktisch sein Leben lang mit seinem Partner verbracht hat, zu anderen Familienmitgliedern überhaupt kein Kontakt mehr hatte und trotzdem nach dem Versterben der Partner nichts erhält, während die Verwandtschaft, zu der kein Kontakt mehr bestand, alles erbt.

 

Auch in Fällen der sogenannten Patchwork-Familie wird es sich regelmäßig anbieten, letztwillige Verfügungen zu treffen.

 

Gibt es keine Verwandten mehr oder soll kein Verwandter Erbe werden, ist es auch ohne weiteres möglich, eine völlige fremde Person als Erben einzusetzen. Gleichermaßen können auch etwa wohltätige Organisationen als Erben eingesetzt werden. Beachten Sie aber bitte, dass nach dem deutschen Erbrecht, Tiere, also insbesondere das geliebte Haustier nicht erben kann. 

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